Brainstorming – wie man es anders machen kann.

Café Scrum

Die erste Begegnung mit dem Konzept des Brainstormings, wo es auch so benannt wurde, hatte ich auf dem Gymnasium. Der Lehrer brachte ein Thema auf, schrieb es mittig auf dem breiteren Stück der Tafel und schaute uns an. Von jetzt an konnte sich entweder Jeder melden, was jedoch schnell verworfen wurde, oder es wurde reingerufen und der Lehrer schrieb schnell die Schreischnipsel auf. Flott musste das Lehrpersonal uns ermahnen, dass wir doch gesittet unsere Vorschläge vortragen. Schade, denn aus dem Chaos entstehen gute Dinge, oder etwa nicht?

Das bringt mich zu dem Punkt des Brainstormings, denn dieses Prinzip wird in Scrum ungenannt stets und ständig eingesetzt und leider liegt darin auch der Fehler. Wem wurde das Prinzip des Brainstormings effektiv erklärt? Und wenn man es nun nicht beherrscht, ist es keine effektive Methode, da es dann die meiste Zeit falsch eingesetzt wird.

Zwei Regeln können ergebnisförderlich sein:

  1. Verschiebe die Beurteilung
  2. Ziele auf Masse ab

Bei dem Prinzip des Brainstormings sammelt man, ungeachtet der Qualität, Informationen. Hier gilt: Je mehr, desto besser.

Warum sollte man in einem Brainstorming die Beurteilung verschieben?

Es liegt auf der Hand, dass die Beurteilung von Dingen, die Partizipanten des Meetings, wie zum Beispiel im Scrumiversum die Refinements, oder Sprintplanning, einschränken kann. Die Kreativität lässt sich mit Freiheit fördern, nämlich die Freiheit, das zu sagen, was man möchte und was einem gerade dazu einfällt. Zudem können durch eine vorschnelle Beurteilung verrückte oder radikale Ideen nicht ausgesprochen werden, was Leute daran hindern kann, aktiv mitzumachen. Deswegen wird auf Masse gezielt, um viele gute Ideen zu Tage zu tragen, aus denen man am Ende wählen kann.

Warum alle Ideen auf einmal sammeln und nicht separat?

Werden die Ideen, die zugleich eine Meinung widerspiegeln, gegeneinander aufgezählt, oder in zwei Spalten an eine Wand geklebt, kann es den Eindruck erwecken, dass eine Seite die „richtige“ ist und die andere die „falsche“. Um dem entgegen zu wirken, lässt man das Gesamtbild auf sich wirken und damit hat jede Idee ihre Daseinsberechtigung. Das wiederum zielt auf Masse ab, denn es ist sehr belohnend und motivierend, ein leeres Blatt zu füllen. Fragt man einen Künstler was dieser bei einem leeren Blatt empfindet, denkt dieser an eine freie Fläche für all seine Ideen. Lasst eure Teilnehmer zu Künstlern werden. Die Ergebnisse werden überraschen.

Timebox einhalten

Um die Konzentration aufrecht zu erhalten und positiven Stress auf die Teilnehmer wirken zu lassen, ist es wichtig, dass man eine Frist setzt. Diese wird durch die Timebox repräsentiert. Als Moderator sollte man abschätzen können, welcher Zeitrahmen für das Publikum der richtige ist. Zudem wird der innere Richter und die Beurteilung abgeschaltet, wenn man zum Beispiel nur 5 Minuten Zeit hat, denn in diesem Rahmen muss jede Idee aufgeschrieben werden, egal wie verrückt diese ist.

Erweitert das Spielfeld für die Introvertierten

Als Moderator und Teilnehmer darf man nicht vergessen, dass nicht jeder Mensch sich dabei wohl fühlt, seine Ideen einfach in den Raum zu rufen und ein Echo zu bekommen. Manches wird überhört, manche werden dadurch zu stillen Teilnehmern, die am Ende nichts sagen, somit können Informationen und Ideen verloren gehen. Damit dies nicht passiert, gibt es die Methode des „Brainwriting“. Jeder Teilnehmer bekommt einen Zettel, auf dem die Leute ihre Ideen schreiben, in aller Stille. Die Zettel werden nach etwa 2 Minuten herumgereicht, sodass jeder Teilnehmer die Ideen seines Nachbars sieht. Ein positiver Nebeneffekt davon: Wer keine eigenen Ideen hat, kann andere ergänzen und erweitern. Somit erhält man massenhaft Ideen, die von den Teilnehmern eigenständig mit Details beschmückt wurden. Hat jeder Teilnehmer seine Ideen aufgeschrieben und jedes Blatt in der Hand gehabt, sammelt man die Zettel ein und transferiert die Ideen auf ein Flipchart, um in der Runde die Ideen anzuschauen und zu betrachten. Was ihr dann daraus macht, liegt bei euch.

Fazit

Werden die zwei Regeln eingehalten und das Brainwriting in einer Timebox eingehalten, wird ein kreativitätsfördernder Druck ausgeübt, der die Teilnehmer dazu anheizt Ideen aufzuschreiben und zu erweitern.

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