Der Ruf der Freiheit

Scrumosophie

Der Blindwiderstand

Das Corona-Virus breitet sich weiter aus und legt sich wie ein Teppich über Deutschland und die Welt. Das öffentliche Leben wird radikal entschleunigt und beinahe stillgelegt, um die Ausbreitung des Virus so gering wie möglich zu halten. In der Realität bedeutet das für viele Menschen einen Freiheitsentzug. Man ist gezwungen sich selbst in den eigenen schutzbietenden vier Wänden einzusperren.

Warum begeben sich dennoch unnötig viele Menschen in Gefahr, stemmen sich mit aller Macht gegen die Anordnungen, billigen sich ein Lebensrecht zu, das sie gefährdeten Personengruppen damit verwehren und rufen die immer drastischeren staatlichen Maßnahmen hervor?

Reaktanz

Schon das alte Testament erzählt von den Stammeltern Adam und Eva und deren Unvernunft. Frei von Schuld lebten sie gottesfürchtig im Paradies. Bis auf die Früchte des Baumes der Erkenntnis, waren alle Früchte frei verfügbar. Doch gerade die verbotene Frucht ermöglichte die Verführung, durch die Schlange. Des Ungehorsams schuldig verbannte Gott die beiden Menschen aus dem Paradies.

Wir wollen gerade die Auswahlmöglichkeit, die uns verwehrt wird.

Wird man vor die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsalternativen gestellt, so wird jede Auswahlmöglichkeit innerhalb des Freiheitsspielraums, eine bestimmte Gewichtung zugemessen. Bei einer ausgeprägten Reaktanz werden die eliminierten Handlungsalternativen aufgewertet, denn alles was die Wahlfreiheit einschränkt, gewinnt an Attraktivität. Es entsteht ein „Jetzt erst recht“ Effekt. Die Werbung nutzt diesen Effekt der Reaktanz – Reaktion gezielt aus:

„Nur so lange der Vorrat reicht“; „Nur ein Stück pro Haushalt“

Die Knappheit suggeriert, dass das Angebot besonders begehrenswert ist. Die Reaktanz wird ausgelöst, wenn ein Mensch die eigene Entscheidungsfreiheit gefährdet sieht. Je stärker die Einschränkung empfunden wird, desto wahrscheinlicher kommt es zu spontanen Trotzreaktionen, also zu bewussten Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrift. Im Umkehrschluss bedeutet das:

Der Mensch ist immer motiviert seine Freiheiten zu erhalten.

Reaktanz in Projekten

Mit Trotzreaktionen muss man auch bei der Initiierung von Projekten rechnen. Gerade, dann wenn Veränderungen, Leitlinien oder Aufgaben aufgezwungen werden. Jegliche Einflussversuche, die auf Kontrolle abzielen, lösen dieses Verhalten aus. Ohne die Mitbestimmung der Mitarbeiter wird man eine Abfolge von Reaktionen erleben, wie z. B den verdeckten Widerstand. Die Mitarbeiter werden der Veränderung augenscheinlich zustimmen, ohne sie zu akzeptieren. In der Folge werden Arbeitsprozess verlangsamt (im schlimmsten Fall sabotiert) und Grenzen ausgereizt (wie weit kann ich bis zu einer Sanktionierung gehen). Im zeitlichen Verlauf wird es zu positiven Ausbrüchen kommen, die aber durch eine schleichende Entwicklung in Richtung des Ausgangszustand neutralisiert werden.

Warum Scrum

Bei Scrum werden vor jedem „Angriff“ die Köpfe zusammengesteckt und das weitere Vorgehen diskutiert. Die Teams arbeiten selbstorganisiert, auf Basis von Vertrauen und Kooperation. Dabei gilt, dass die Selbstorganisation immer kontextabhängig und das Team Teil eines Verbundes ist, der in die Unternehmens-DNA integriert ist. Der Teamgeist wird zentralisiert und ein transparenter Austausch angestrebt. Hierfür wird, trotz aller Freiheit, ein definierter Informationsaustausch benötigt (z.B Scrum Events). Durch diese Praxis werden Kompetenzen der einzelnen Teammitglieder offengelegt und Brücken zu den verschiedenen Wissensinseln gebaut. Menschen, die miteinander arbeiten, addieren ihre Potenziale. Menschen, die für einander arbeiten, multiplizieren ihre Potenziale. Das kollektive Wissen führt zu besseren Ergebnissen, dank der empirischen Steuerung:

Sichtbar machen → überprüfen → anpassen.

Die Transparenz hilft Menschen gute Entscheidungen zu treffen. Im Sinne der Verhaltenstransparenz handelt es sich um die Nachvollziehbarkeit des Verhaltens von Individuen. Auch innerhalb des Teams geht es permanent darum, Dinge transparent zu machen, damit sich das Team eigenverantwortlich koordinieren und sich kontinuierlich verbessern kann. Es geht darum, selbstständig zu beobachten, wo etwas zu tun ist, dies zu thematisieren und gegebenenfalls Verantwortung zu übernehmen, dass das Thema gelöst wird. Commitment ist eine Voraussetzung dafür, dass Selbstorganisation Ergebnisse gebärt. Die Entscheidungsgewalt und die Kontrolle liegen beim Team. Bis auf das Hereinreichen der Problem- und Aufgabenstellung hält sich die Führungskraft heraus. Es wird ein Dienstleistungsstil entwickelt, der die Mitarbeiter unterstützt.

Zusammenfassung

Das wichtigste ist die Möglichkeit der Partizipation. Nur durch eine umfassende Beteiligung kann die Akzeptanz verbessert und die Reaktanz abgeschwächt werden. Wer Menschen begeistern kann, kann auf Zwang verzichten und wird weniger Widerstand hervorrufen.

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