Teameffekte und deren Wirkungen

Café Scrum

Aristoteles sagte einst: „Das Ganze ist nur dann mehr als die Summe seiner Teile, wenn die Beziehungsqualität das erlaubt.“

Standest du schon einmal vor der Herausforderung, in einem Team zu arbeiten, das sich aus erfolgsbesessenen Einzelkämpfern zusammensetzte, die „Zusammenarbeit“ in Silos stattfand und Neid und Missgunst über Gemeinschaftsziele gestellt wurden? Oder warst du schon mal mit einem Kollegen konfrontiert, der dir durch seine Art der Beziehungsgestaltung die Freude und Motivation an einem spannenden Projekt nahm? Dann weißt du welchen Stellenwert Arbeit förderliche Beziehungen für die Performance und Leistung eines Teams besitzen. Ein wertschätzendes und menschenzentriertes Teamgefüge wirkt sich stressreduzierend und Erfolg unterstützend auf die Teammitglieder aus. Erinnere dich, wie wohltuend und befreiend es ist, wenn du nach einem intensiven Kundengespräch das offene und wertschätzende Ohr deiner Kollegin findest oder wie viel Energie freigesetzt wird, wenn man mit seinen Kollegen einen gemeinsamen Projekterfolg zelebrieren kann.

Arbeitsförderliche Beziehungen sind kein Zufall, sondern ein Entwicklungsprozess bzw. ein Wachstumsergebnis. Bruce Tuckman beschreibt dies in seinem Modell der Phasen der Teamentwicklung. (Forming, Storming, Norming, Performing, Adjourning) Die Phasen sind durch typische Verhaltensmuster gekennzeichnet und für jede Phase gibt es hilfreiche und weniger hilfreiche Einflussmöglichkeiten, die der Scrum Master als Teamentwickler vornehmen kann. Bei auftretenden Konflikten in der Perfomingsphase kann es eine gute Strategie sein, die Betroffenen unabhängig eine Lösung suchen zu lassen. In der Stormingphase, die als Charakteristik die Rollenfindung aufweist, ist eine stabilisierende Intervention durch den Scrum Master förderlich.

Es ist festzuhalten: Menschen beeinflussen sich gegenseitig, bewusst oder unbewusst. Wie wirkt es sich auf dich aus, wenn du allein an einem Thema arbeitest oder wenn dir ein Kollege gegenübersitzt? Die Organisationspsychologie beschäftigt sich mit konkreten Effekten, die durch Teamarbeit ausgelöst werden. Ein paar ausgesuchte Teameffekte möchte ich dir vorstellen, die sowohl als Erklärung als auch für die Vorhersagbarkeit von Teamphänomenen geeignet sind.

Social Compensation Effekt

Bei diesem Effekt leistet ein Teammitglied mehr, weil ein (oder mehrere) Teammitglieder weniger leisten. Dieser Effekt ist zu beobachten, wenn der jeweiligen Person, dass Ergebnis sehr wichtig ist, sie der Annahme verfällt, dass die Leistung der anderen Gruppenmitglieder für ein gutes Teamergebnis nicht genügt und die Person der Überzeugung ist, dass ihre Leistung direkt auf das Ergebnis einzahlt.

Social Labouring Effekt

Dieser Effekt ist zu beobachten, wenn eine starke Identifikation mit der Gruppe vorhanden ist. Dadurch kommt es zu einer Mehrleistung, die noch weiter forciert wird, wenn man im Wettbewerb zu anderen Gruppen steht (will to win)

Social Facilitation Effekt

Die Anwesenheit anderer Personen kann die eigene Leistung erhöhen. Die Voraussetzung hierfür ist, dass die Tätigkeiten automatisiert und einfach in ihrer Ausführung sind. Als Treiber fungiert die Tatsache, dass man vor anderen gut dastehen möchte.

Bei komplexen und kreativen Aufgaben kommt es zu einem gegenteiligen Effekt. Die Leistung verringert sich durch die Anwesenheit anderer Personen. Eine positive oder negative Auswirkung wird auch durch die Erwartungshaltung der anderen Anwesenden bedingt. (self fulfilling prophecy : wenn die Anwesenden mit einer negativen Leistung rechnen, wird sich das „magisch“ auf die reale Leistung des Kollegen auswirken). Der Effekt kann z.B als Entscheidungs bzw. Orientierungshilfe in der Diskussion in Großraumbüros helfen.

Social Loafing Effekt

Dieser Teameffekt wird nicht bewusst von einzelnen Teammitgliedern gesteuert. Innerhalb des Teams wird die Anstrengung als angemessen empfunden, tatsächlich hat sich aber die Gesamtleistung verringert. Mangelt es an Transparenz und Leistungsbeiträge einzelner sind innerhalb der Gruppenleistung nicht mehr oder schwer zu identifizieren entfaltet der Effekt seine Wirkung. (Als Beispiel dienen jährliche Prämienausschüttungen, die sich am Gesamtgewinn orientieren)

Köhler Effekt

Der Effekt hat z.B eine Relevanz innerhalb des pair programmings. Das leistungsschwächere Teammitglied wird, im Vergleich zur Einzelarbeit, ein gesteigertes Engagement zeigen, weil es nicht für die schlechte Teamperformance verantwortlich sein möchte.

Free-Rider Effekt

Entscheiden sich Teammitglieder bewusst dafür weniger zu leisten, spricht man vom Free – Rider oder auch Trittbrettfahrer – Effekt. Die Entscheidung fußt auf der Einschätzung, dass die Leistung der anderen bereits ausreichend ist. Mit steigender Gruppengröße nimmt das Entstehungspotenzial dieses Effektes zu. Werden in einem Team nur die herausragenden Leistungen gewürdigt, entsteht der Nährboden für diesen Effekt bei den weniger auffallenden Teammitgliedern.

Sucker Effekt

Dieser Effekt kann als direkte Reaktion auf den Free – Rider – Effekt verstanden werden. Erkennen Teammitglieder, dass sich andere bewusst zurückhalten, obwohl sie mehr leisten könnten, senken sie bewusst, ebenfalls ihre Leistung. Man möchte nicht mehr der einzige Leistungsträger sein und die Minderleistung anderer tolerieren. Im schlimmsten Fall wird dadurch eine Dynamik ausgelöst, die sich negativ auf die Leistung als auch auf die Arbeitszufriedenheit auswirkt.

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