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Brainstorming – wie man es anders machen kann.

Café Scrum

Die erste Begegnung mit dem Konzept des Brainstormings, hatte ich auf dem Gymnasium. Der Lehrer brachte ein Thema auf, schrieb es mittig auf die Tafel und schaute uns an. Von jetzt an konnte sich Jeder melden. Der Lehrer, damals über 60 Jahre und von der alten Schule, hat die Ideen der Schüler sofort bewertet und entschieden, ob es auf die Tafel kommt. Ds führte zu einer Prüfungsatmosphäre. Niemand wollte nun etwas falsches sagen. Haben sich zu Beginn dieses Brainstormings noch beinahe alle gemeldet waren nach kurzer Zeit nur die Finger oben, die man auch in normalen Unterrichtsstunden sieht.

Was hat der Lehrer falsch gemacht?

  1. Er hat die Ideen sofort bewertet und beurteilt
  2. Er hat seine Autorität in den Vordergrund gestellt
  3. Er hatte auf ein bestimmtes Resultat der Sammlung hingezielt

Bei dem Prinzip des Brainstormings sammelt man, ungeachtet der Qualität, Informationen. Hier gilt: Je mehr, desto besser.

Warum sind dies überhaupt Fehler die der Lehrer begangen hat?

Es liegt auf der Hand, dass die Beurteilung von Dingen, die Teilnehmer des Events, wie zum Beispiel im Scrum die Refinements, oder Sprintplanning, einschränken kann. Die Kreativität lässt sich mit Freiheit fördern, nämlich die Freiheit, das zu sagen, was man möchte und was einem gerade dazu einfällt. Zudem können durch eine vorschnelle Beurteilung verrückte oder radikale Ideen nicht ausgesprochen werden, was Leute daran hindern kann, aktiv mitzumachen. Deswegen wird auf Masse gezielt, um viele gute Ideen zu Tage zu tragen, aus denen man am Ende wählen kann.

Klassisches Brainstorming:

Das klassische Brainstorming unterteilt sich in 3 Phasen:

  1. Ideen Sammeln.
    Es ist alles erlaubt. Kritik wird nicht geäßert
  2. Ergebnisse sortieren.
    Oft überschneiden sich die Ideen und Aussagen der Teilnehmer. In dieser Phase werden sie geclustert und sortiert.
  3. Bewerten.
    Es wird bewertet, welche Ideenwolke oder welches Thema verfolgt wird.

Lücken am klassischen Modell

  • Es wird offen gesammelt. Jeder ruft in den Raum und oftmals gibt der erster Ruf die Richtung vor. Das führt zu beeinflussten Ergebnissen.
  • Es gibt keine Timebox (Zeitrahmen). Es wird so lange gesammelt bis die Ideen ausgehen. Das führt zu größeren Themenwolken, die keine klare Botschaft haben. Die Teilnehmer verspüren keinen Zeitdruck, welcher zu Aktivierung von positiven Fähigkeiten führen kann. Das Interesse der Teilnehmer erlischt wenn zu viel Zeit vergeht.
  • Die Phase der Bewertung führt zur Verfolgung einer Maßnahme und nicht zu einem Maßnahmenblock. Zu viele Ideen erhalten keine echte Chance.

Wie kann man das Brainstorming besser gestalten?

Angelehnt an einer klassischen Scrum Retrospektive kann man ein Brainstorming methodisch und deutlich effektiver gestalten. Bitte beachte dass bei dieser Methode maximal 8 Teilnehmer empfohlen sind.

Ablauf:

  1. Sammelphase:

    Es werden Haftnotizen an die Teilnehmer verteilt, z.B. jeder kriegt 5 Stück. Der Moderator schreibt das Thema mittig auf einem Flipchart, Board oder Tafel.
    Nun kriegen die Teilnehmer 5 Minuten Zeit ihre Ideen auf die Haftnotizen aufzuschreiben. Es ist jeweils nur 1 Idee pro Notiz erlaubt. Es sind keine Grenzen gesetzt. Jeder kann nun bis zu 5 Ideen und Ansätze zum Thema aufschreiben. Die Sammlung ist still und nicht offen.

  2. Ergebnisse Vorstellen:

    Die Teilnehmer wechseln sich nun mit dem Vorstellen der Ergebnisse ab. Jeder hat bis zu 5 Minuten seine Themen zu dem Thema zu kleben und bei Rückfragen seinen Ansatz zu erläutern.

  3. Sortieren/ Clustern:

    Nun sortiert der Moderator mit Feedback der Teilnehmer die Ideen und klebt die, die zum gleichen Thema gehören zu einer Wolke zusammen.

  4. Priorisieren:

    Die Teilnehmer sind nun gefragt zu priorisieren. Jeder Teilnehmer hat nun 2 Stimmen die er in Form von Strichen an die Themenwolken abgeben kann.

  5. Behandeln:

    Nun sortiert der Moderator die Themenwolken nach erhaltenen Stimmen. Die Wolke mit den meisten Stimmen wird nach oben geklebt, die mit den wenigstens nach unten. Jetzt werden die Wolken im Detail geprüft, ob sie offiziell weiterverfolgt, oder verworfen werden. Auch hier setzen wir eine Timebox um zu einem validen Ergebnis zu kommen. Wir empfehlen max. 5 min pro. Themenwolke.

  6. Abschluss:

    Aus den Ideen die verfolgt werden, werden nun konkrete To-Do’s gestrickt

Vorteil gegenüber der klassischen Vorgehensweise

  • Die geschlossene Sammlung führt zu einer Vielfalt von Ideen.
  • Die Zeitrahmen erzeugen positiven Druck und führen zu intuitiveren Entscheidungen.
  • Keiner fühlt sich ausgeschlossen, keine Idee wird verpasst.
  • Alle Themen erhalten eine echte Chance behandelt zu werden.
  • Konkrete Maßnahmen sorgen dafür, dass auch tatsächlich etwas geschieht und die Ideen nicht im Sande verlaufen.

Fazit

Diese bekannte Retrospektive Methodik zu einer Brainstorming Methodik umzuwandeln bringt mehr Fairness und Effizienz. Alle Teilnehmer werden gleich wertgeschätzt und Resultate sind bindend. Eine schöne Alternative zum klassischen Vorgehen.

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