Scrum Master als religiöser Fanatiker

Scrum-Fails

Vermehrt höre ich Stimmen die Scrum Master mit religiösen Fanatikern & Predigern vergleichen und belächeln. Speziell in diesen Momenten werde ich hellhörig und suche das Gespräch, um zu erfahren wie ein solches Bild im Zusammenhang mit einer Rolle des agilen Frameworks Scrum zustande kommen kann. Folgende Aspekte und Verhaltensweisen wiederholten sich dabei, einige konnte ich auch selber mehrfach beobachten.

Eine breite Anzahl an Stellenausschreibungen

Ein Grund ist sicherlich die aktuelle Situation des Arbeitsmarktes, nämlich ein breites Spektrum an Firmen, die händeringend Fachkräfte suchen. Aufgrund der doch noch recht jungen Thematik “Agilität”, ist die Anzahl der jahrelang erfahrenen Scrum Mastern allerdings recht begrenzt. Daher greifen viele Unternehmen auch auf weniger erfahrene Personen zurück, unter anderem auch auf diejenigen, die in der Arbeitsmarktsituation eine Chance auf eine steile Karriere wittern, welche natürlich ein Widerspruch in sich ist.

Versteht mich hier bitte nicht falsch, denn diese Situation hat natürlich auch ausgezeichnete Scrum Master hervorgebracht, aber eben auch jene, die sich nicht aus Überzeugung für Scrum entschieden haben. Natürlich aber auch nicht besonders überraschend unter dem Aspekt, dass kein jahrelanges Studium oder Ausbildung erforderlich ist und entweder ein Multiple Choice Test, oder auch in manchen Fällen selbst angeeignetes Wissen aus dem Internet ausreichend ist.

Nun aber wirklich zu den religiösen Fanatikern

Viele der oben genannten Personen vertreten die feste Überzeugung, dass Scrum Framework über jedes Entwicklerteam stülpen zu können, die Scrum-Werte zu „predigen“ und somit eines der sagenumwobenen „High Performance“ Teams hervorzubringen.

Vergessen wird dabei aber allzu oft, worum es sich in Scrum handelt, nämlich um ein Framework mit einigen ausgesprochen sinnvollen, festen und indiskutablen Regeln. Zeitgleich hat man aber auch Freiraum, um Scrum individuell auf die spezifischen Bedürfnisse der Entwicklerteams und des Unternehmens anzupassen. Da ist es wenig hilfreich in jeder sich bietenden Situation den Scrum Guide zu zitieren, als sei es die Bibel, oder mit agilen Floskeln um sich zu schmeißen, ohne entsprechende Vorteile für die Teams und das Unternehmen aufzuzeigen, oder sogar belegen zu können.

Dies führt leider in einigen Unternehmen zu einem sinkenden Ansehen jener Scrum Master, die tagtäglich mit Herzblut daran arbeiten ihre Teams zu unterstützen, Impediments zu beseitigen, eine angenehme und effektive Arbeitsatmosphäre zu schaffen und es auch schaffen Kollegen für Vorteile agiler Frameworks wie Scrum zu begeistern. Besonders letzteres halte ich für besonders wichtig, da in vielen Fällen Mitarbeiter zum ersten Mal mit agilen Methoden in Berührung kommen, nach jahrelanger Anwendung einer klassischen Methodik stark umdenken müssen und behutsam in den Unternehmenswandel integriert werden sollten. Wenn diese erste Erfahrung allerdings negativ behaftet ist, wird es stark erschwert einen nachhaltigen Wandel bewirken zu können.

Was kann ich als Scrum Master tun?

Zuallererst sollte ich mir über meine eigenen Absichten klar werden, persönlich bedeuten diese für mich ganz einfach formuliert: „Hilf dem Entwicklerteam, wo es nur geht und beseitige so viele Impediments wie möglich“. Diese sollten nicht lauten ich möchte Karriere machen und Agile Coach werden. Diese Aussage und das Wording “Agile Coach” als solches, verdienen eigentlich schon einen eigenen Blogeintrag, vielleicht folgt dieser demnächst. Bitte versteht Scrum als das was es ist, ein Framework welches auf Empirie basiert und pragmatisch ausprobiert werden sollte und kontinuierlich an die Erfahrungen der jeweiligen Teams und des Unternehmens angepasst werden sollte. Zusätzlich macht es aber auch immer Sinn sich mit seinen Scrum Master Kollegen abzustimmen und diesen falls nötig auch unterstützend beizustehen, dann wird Scrum auch in eurem Unternehmen zu einem vollen Erfolg!

Danke fürs lesen, hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

Geschrieben von:

Teile diesen Beitrag:

Füge den RSS Feed hinzu:

RSS

Kennst du schon unseren kostenlosen Retrospektive Newsletter?

Jede zweite Woche eine neue Retrospektive Methode als E-Mail!
Trage dich einfach hier ein!




Menü