Crossfunktionalität erläutert

Café Scrum

In den agilen Umfeldern wird ständig mit den Worten „Crossfunktionalität“ und „Autonomie“ geworben.

Nur was bedeutet das für Jemanden, der sich damit nicht identifizieren kann? Es ist wichtig, dass diese Worte nicht in den Raum gerufen werden und dann lässt man es auf sich beruhen. Hier sehe ich eine der größten Erklärungsschwächen von vielen Scrum Mastern und Agile Coaches, wenn es zu dem Punkt der Crossfunktionalität kommt. In den Seminaren wird es schnell angesprochen und abgehandelt. Was dann? Nicht nur tun sich viele schwer mit diesem Wort, sondern ihnen fehlt auch der Angelpunkt im Bezug auf die Übertragbarkeit zu dem konkreten Arbeiten. Eine Erläuterung.

Was bedeutet Crossfunktionalität?

Crossfunktionalität bietet die Möglichkeit, dass jeder in etwa das gleiche Wissen in einem Scrum Team beherrscht. Hier finden schon die ersten Missverständnisse statt. Es gibt Spezialisten, es gibt technisch sehr versierte Personen, Designer, die sich mit den verschiedenen Workflows auskennen. Selbst bei den Entwicklern und den Tools oder Sprachen, die sie nutzen. Dazu die „alten“ Hasen, die als Entwickler ab und an mehr Produktwissen an den Tag legen als ein Product Owner oder aber auch das Gegenteil: Dass ein „Junior“ ins Team kommt und sich im Laufe des Projektes finden muss. Natürlich werden mit Codeguidelines, Coding-Dojo, Gilden, Crews und was für Formate noch im Projekt eingesetzt werden, die Wissenslücken gefüllt. Ein Ersetzen der Mitarbeiter ist ebenso inhärent bei der Crossfunktionalität. Dadurch, dass jeder alles wissen sollte, kann man den Mitarbeiter „austauschen“ und eine Urlaubsvertretung wird nicht mehr zum Grauen für das Team. Wir reden hier nicht von einer Kündigung, ein anderes Projekt oder Ähnlichem, denn ein Scrum Team ist ein stabiles Team. Crossfunktionalität bedeutet daher Wissenstransfer, die Verteilung des Produktwissens und wenn nötig, das Ausloten von Schwächen und Stärken, das im Scrum durch stetes Inspizieren und Adaptieren ein Leichtes ist. Damit jeder ohne Kopfschmerzen in den Urlaub gehen kann.

Vorteile der Crossfunktionalität

Neben dem reinen Gewissen einer guten Übergabe und dem wohlverdienten Urlaub, weil kein Wissen verloren geht, beherbergt die Crossfunktionalität natürlich noch weitere weitaus effizientere Vorteile. Dadurch, dass die Entwickler im stetigen Austausch sind, werden diese emsiger in der Problemlösung und auch in der Problemfindung, was wiederum die Qualität des Produktes nach oben schraubt. Wissenstransfer ist, ich möchte fast sagen, alles. Durch den Austausch und weitere Rituale wird eine Person, die für sich Spezialwissen herumträgt, dazu angeregt dieses an andere Entwickler weiterzugeben. Rituale des Dailys, des Refinements, der Feedbackzyklen sind nach Wochen eine alltägliche Sache. Natürlich ist es immer ein Aspekt der Offenheit und Transparenz – wichtige Dinge in Scrum –  wenn es zu etwas wie Crossfunktionalität kommt. Denn wenn du etwas nicht weißt, dann weißt du es nicht und es ist in Ordnung. Dafür dient dem Team die Crossfunktionalität um das Produkt und auch die eigenen Fähigkeiten kennenzulernen.

Welche Voraussetzungen benötigt es?

Um die Vorteile der Crossfunktionalität zu nutzen, ist es wichtig, einen Boden dafür zu schaffen. Neben der unternehmerischen Kultur benötigt es noch weitere Dinge, die über das Team selbst hinausgehen. Ist das Team interdisziplinär besetzt, ergo alle Fähigkeiten, die benötigt werden, um das Produkt zu erschaffen sind im Team besetzt, fängt die Arbeit woanders an. Nun begibt sich das Team in eine Metadiskussion. Ziele werden individuell oder als Kollektiv erstellt, denn nur ein Team mit einem Ziel vor Augen kann die Crossfunktionalität erlangen. Ein Sprintgoal ist ein guter Anfang. Möge es noch so kurios oder bizarr sein, es hilft ungemein den Fokus und den Ehrgeiz aufzubauen. Nur durch den ermöglichten Fokus auf ein bestimmtes Ziel lassen sich die Menschen dazu anhalten, ihre Fähigkeiten auszuspielen und den Wissenstransfer zu fördern. Doch für ein gutes Ziel benötigt man noch etwas anderes: Anforderungen, die für das Team zu bewältigen sind. Was nützt es mir, einem Entwickler zu sagen, er soll nun Texte für das Marketing schreiben? Oder einem Designer, dass er JAVA beherrschen soll, weil jemand dies im Backlog notiert hat? Das ist unsinnig und gehört gelöscht. Klare, gut geschriebene User-Stories, ein aufgeräumtes Backlog und dazu wurde jeglicher Müll entsorgt, damit sind überflüssige Tickets gemeint und die Konzentration fliegt. Zudem kann das Team nur durch zugeschnittene Anforderungen diese auch erfüllen, das bedeutet nicht, dass diese zu klein, zu leicht oder nicht komplex sind. Es bedeutet, dass sie durch das Team erledigt werden können, erst dann beginnt die wahre Crossfunktionalität. Tauchen dennoch Abhängigkeiten auf – und das werden sie – und sie können nicht durch das Team erledigt werden, muss das Kollektiv aktiv werden.

Fazit

Wahre Crossfunktionalität ist der Gipfel des agilen Arbeiten, wenn man ein Team betrachtet und dieses interdisziplinär aufstellt. Der Wissenstransfer erlangt durch Rituale ein neues Hoch, zudem schießt die Qualität der Teammitglieder und des Produktes in die Höhe. Es verlangt Disziplin, Offenheit und Klarheit. Keine Angst, jeder kann dies erreichen.

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