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Agile Entfremdung?

Café Scrum

Der Mensch ist ein soziales Wesen, welches aufgrund der Kommunikation, die durch verschiedene Aspekte gefördert wird, andere Menschen benötigt. Der Mensch benötigt andere Menschen, um zu wachsen, seine eigenen Gedanken herauszufordern und für sich selbst einzuschätzen, wer er ist und wo er hingehört. Durch Scrum und gerade durch die hochbrisante Coronakrise sind Entwicklungsteams dazu gezwungen, remote miteinander zu arbeiten. Abstandsregulationen, Hygienevorschriften und Höflichkeit zur Distanz prägen im Moment den Alltag. Die Technologie ermöglicht einen remote Ansatz in der heutigen Zeit und somit wird der Weg freigeschaufelt, um reibungslos zu arbeiten. Doch was passiert mit einem Gefühl der Gemeinschaft? Und dem Individuum, das doch in einem Scrum Team steckt?

Von überall möglich

Durch die technologische Globalisierung ist eine Arbeit von zu Hause in aller Welt möglich. Eine Handvoll Tools zur Kommunikation, zum Festhalten der Anforderungen und Dokumentation wird jeder jetzt schon griffbereit haben. Ob sich ein Team in Europa, Nordamerika oder Indien verteilt hat, ist auch kein Problem. Die Leute wählen sich ein, schalten sich dazu und schnell wird geredet, diskutiert und entschieden. Von sprachlichen Barrieren und verschrobenem Englisch wollen wir nicht sprechen indes halten wir die Tatsache fest: Es funktioniert! Remotearbeit ist de facto möglich. Tickets werden geschätzt, das Backlog priorisiert und mein Sitznachbar sitzt woanders. Doch hier steckt der Teufel im Detail.

Distanz tut weh

Nun steigen wir kurz in die Problematik der Absprache ab. Tools sind wie Menschen nicht perfekt, die Verbindung hakt, das Sprechen in ein Headset liegt nicht jedem und viele können sich nicht in dem Maße ausdrücken, wie sie es wollen. Man wird unterbrochen, weil man die Mimik und Gestik nicht sieht und wenn die User-Story auditiv verstanden wird, heißt das noch lange nicht, dass der Entwickler Bescheid weiß, was er zu tun hat. Dort schmerzt die Distanz in dem Arbeitsprozess, es wird hinterfragt, nachgefragt und die Entwickler starten nicht einfach, sondern sie müssen weitere Informationen einholen. Weiterführend ist dies eine Störung für den Geschäftswert. Verzögerungen müssen eingeplant werden und doch liegt meines Erachtens ein größerer Schmerz auf dem Teamgefüge und seinen Mitgliedern. Menschen brauchen Menschen, sie müssen sich zwangsweise an andere Menschen gewöhnen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Dort ist die Distanz ein riesiger Störfaktor, denn niemand weiß, wie der andere denkt oder handelt wenn die Kamera aus ist, oder wie er sich vor Ort benimmt. Wir sprechen hier von grundlegenden Dingen: Erarbeite ich einen Wert für das Team? Respektieren die anderen mein Handeln? Können sie nachvollziehen, warum und wieso das getan wird? Sitzt man allein vor dem Laptop und lädt die Menschen zu einer virtuellen Diskussion ein, haben die Antworten einen anderen Charakter als wenn die Fragen unter vier Augen beantwortet werden. Wir benötigen alle Aspekte der Kommunikation und nicht alle Kanäle werden remote angesprochen, das ist technisch und ich möchte sagen natürlich nicht möglich. Es fehlen signifikante Faktoren, die ein Gefühl des Zusammenhalts und des Zusammenseins erzeugen.

Bringt die Leute zusammen

Abgesehen von der Coronakrise, die zurzeit herrscht, ist es immer möglich, Leute zusammen zu bringen und diese zu sozialisieren. Das Wort sozialisieren hört sich erst einmal steril und kalt an, ich möchte schon sagen wissenschaftlich. Doch die Wissenschaft ist Erfahrung und auch Menschen benötigen Erfahrungen mit anderen Menschen. Wir haben Flugzeuge, Schiffe, Autos – alles ist möglich, um die Grenzen der Länder zu überschreiten und aufeinander zu zu gehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies das Bestmögliche ist, was einer Gruppe von Menschen dient, um sich zu sozialisieren. Sind Leute isoliert, führt dies zu der titelgebenden Entfremdung – man brütet sich über die Leute aus, denkt vielleicht in düsteren Bahnen und kommt dort nicht heraus. Ein Getränk zusammen, ein Essen am Tisch und sich in die Augen schauen wirkt Wunder und profane Gedanken werden aus dem Verstand gewischt. Soziale Kontakte bringen Klarheit, Rollenverständnis und Nachvollziehbarkeit über das Team und das Produkt.

Fazit:

Öffnet die Tür und lasst die Menschen zusammengekommen! Wenn Menschen allein in einem Raum hocken und es der Bildschirm ist, mit dem sie reden, wird kein Gemeinschaftsgefühl aufkommen. Es ist wichtig, vor Ort zu sein, mit den Menschen in Verbindung zu kommen, um sich nicht von allem zu entfremden. Ich wünsche euch dabei viel Kreativität, damit ihr ein gesundes und produktives Teamgefüge erzeugt.

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