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Der Zwang-Master

Café Scrum

Zwang-Master

Als Scrum Master tappt man in seiner Tätigkeit und Ausübung der Rolle in viele Fallen. Wie führt man das Team aus der Agilität heraus? Was bedeutet das für den Rest der Organisation? Wie setzt man diese Gedanken mit den anderen gleich? Das sind blinde Flecke die sich am Anfang eines Projektes, dem neuen Arbeitgeber oder einem neuen Team ergeben können. Keine Sorge, man kann sie füllen. Doch heute möchte ich euch etwas anderes mitteilen, nämlich was passiert, wenn Scrum Master zu sehr an ihren Vorstellungen und an ihrem Weg festhalten.

Dogmatismus und der agile Weg

Hier müssten sich die meisten schon an den Kopf fassen und sehen, dass dort ein Paradoxon niedergeschrieben wurde. Dogmatismus ist eine sehr rigide Einstellung, ein Grundgerüst an Gedanken, an denen man nicht mehr rütteln kann. Agilität auf der anderen Seite ist ein Weg des ständigen Wandelns, der Veränderung und der Nachjustierung auf neue Ziele, neue Wege oder neuen Herausforderungen. Während das eine stehen bleibt und sich in den Boden verwurzelt, was der Dogmatismus tut, bleibt die Agilität geschmeidig und flexibel.
Jetzt kommen wir zu dem Punkt an dem Scrum Master oder Agile Coaches den Scrum Guide nehmen und diesen als ein heiliges Dokument in die Höhe reichen und jede einzelne Zeile daraus rezitieren können. Nun, man kann argumentieren das ein Scrum Master oder Agile Coach diesen Scrum Guide kennen sollte und jeder würde dort zustimmen, doch hier liegt auch die Gefahr, wenn die Person zu sehr daran festhält. Somit wird der Scrum Guide zu einem Dokument, einem Weg über dem nicht mehr debattiert werden soll. Es wird nicht mehr hinterfragt und das Hinterfragen ist eine gewaltige Waffe in der agilen Welt.

Festhalten und loslassen

Steigen wir an dem Punkt ein wenig tiefer ein. Dogmatismus ist ein Grunddenken, in dem man unkritischen Stimmen bei den verbreiteten Lehrmeinungen zustimmt und diese im Umkehrschluss nicht hinterfragt. Dasselbe gilt für den Scrum Guide. Agilität ist darauf ausgerichtet zu hinterfragen und zu wissen, wohin man gehen möchten, falls man sich an Punkten befindet, die nicht mehr funktionieren. Hier gilt es zu wissen, woher das Bedürfnis kommt und ein starres Wesen wie der Dogmatismus entstehen kann.
Der Mensch leidet an vielen mentalen Störungen und eine davon ist die Unsicherheit. Regeln, Bedingungen, Rahmen, Ziele und Pfade können dem Menschen Sicherheit geben. Der Scrum Guide wird mehr als nur zum Ratgeber für den jeweiligen Mentor und übernimmt das eigenständige Denken, weil die Antworten offensichtlich schon im Scrum Guide niedergeschrieben worden sind und ich diese nur herauslesen muss.
Man darf es hier nicht falsch verstehen: eine erfolgreiche Scrum Implementierung orientiert sich an dem Scrum Guide, doch es ist das Lösen von diesem was wichtig ist.
Vielleicht braucht das Team nicht die drei klassischen Fragen zum Daily? Vielleicht sieht das Refinement anders aus als bei dem vorherigen Projekt? Dafür sind Erfahrungen exzellent zu nutzen und um diese mit der Wirklichkeit des neuen Projektes zu vergleichen und daraus etwas Besseres entstehen zu lassen. Man wird und kann sich nicht komplett vom Scrum Guide lösen, als Unterstützung sollte er zu Rate gezogen werden doch die Unmündigkeit, die dadurch entstehen kann, ist gefährlich.

Veränderung hier, Veränderung dort, keine Veränderung bei mir

Der Scrum Master versucht bei seinem Team, der Organisation oder bei einem Entwickler die agilen Werte zu platzieren, diese zu wiederholen bis sie tief in den Gedanken der Entwickler festsitzen. Scrum bedeutet Wandel und oft ist dieser auch ein radikaler Wandel denn die Arbeitswelt verändert sich.

Aber was ist, wenn der Mentor des Scrum selbst sich nicht verändern möchte?

„In meinem alten Projekt haben wir das so getan.“
„Bei dem anderen Team läuft das so ab!“
„Das steht nicht im Scrum Guide!“
„Von wem kam die Idee und wieso meint ihr das machen zu müssen?!“

Nur ein paar Beispiele auf die ich in meiner Zeit als Scrum Master gestoßen bin. Hier kann man aufgewühlt reagieren oder man tritt einen Schritt zurück und sieht die Angst und Unsicherheit, die dort drinsteckt. Diese Angst zwingt die Person zum Dogmatismus und Zwänge sind eine eigene mentale Bestrafung.
Wie geht man damit um? Wie sieht ein Weg aus, wenn der Scrum Master selbst Dogmatiker ist?
Das transparent machen dieses Verhaltensmuster ist der erste Schritt, offensichtlich die Punkte hinzulegen. Denn auch ein Scrum Master ist nicht unantastbar und kann ebenfalls durch die Meinungen und Argumente der Entwickler verändert werden. Hält sich die Meinung, dass dieser Weg, der vom Scrum Master selbst gewählte Weg, derselbe bleiben wird, sollten andere Konsequenzen erwogen werden.

Feedback ist eine wunderbare Sache, aber es geht in verschiedene Richtungen und vielen kann das Feedback nicht schmecken. Kritik ist nichts anders als ein Feedback, man nimmt es nur negativ auf. Ein Scrum Master muss sich permanent weiterentwickeln, auch in den Soft Skills und in dem Denken und das beinhaltet auch weg vom Scrum Guide zu gehen und sich andere Dinge anzuschauen. Ein Scrum Master verändert sich immer auch mit dem Team und wenn er dies nicht tut, steht er dem Team im Weg. Folglich wird der Scrum Master selbst zum größten Impediment.

Fazit:

Dogmatismus und Scrum verstehen sich nicht gut. Erfahrungen, die aus alten Projekten mitgenommen werden, sind wertvoll, dürfen aber auch in gleicherweise in Frage gestellt werden. Bemerkt ihr jemanden der zu sehr an den alten Tagen und Sachen festhält, ist es wichtig mit ihm ein Gespräch zu suchen, denn es gibt nichts Schlimmeres als einen Scrum Master, der selbst zum Impediment wird.

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